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07.11.2019

Ernährung

Seitdem halb Hollywood auf eine Ernährung ohne Gluten schwört, häufen sich auch hierzulande in den Supermarktregalen die Produkte mit dem „100 % glutenfrei“-Aufdruck. Aber wann und vor allem für wen ist es tatsächlich sinnvoll auf Gluten zu verzichten?

Was ist Gluten überhaupt?
Als Gluten, auch Klebereiweiß genannt, bezeichnet man ein Proteingemisch, das von Natur aus in vielen Getreidesorten enthalten ist und das in Verbindung mit Wasser eine klebrige Teigmasse bildet. Gluten ist dafür verantwortlich, dass Backwaren wie Brot und Brötchen ihre Form bewahren, luftig und frisch schmecken. In großen Mengen ist das Klebereiweiß in Weizen und Dinkel vorhanden, aber auch in Roggen, Gerste und Hafer. Das bedeutet, dass sich Gluten vor allem in Brot, Gebäck und Kuchen finden, es ist aber auch in zahlreichen Fertiggerichten „versteckt“.

Ein aktueller Trend im Ernährungsbereich ist, komplett auf Gluten zu verzichten. Dies soll zu einem verbesserten körperlichen Befinden führen und gleichzeitig für eine Abnahme sorgen. Experten warnen jedoch vor übereiltem Verzicht und raten dringend dazu, sich gründlich über die Hintergründe zu informieren. Glutenfreie Alternativprodukte sind nämlich durch den erhöhten Zusatz von Zucker und Fett häufig nicht, wie oft angenommen, gesünder, kaloriensparender oder bekömmlicher für den Großteil der Menschen.

Glutenverzicht ja oder nein?
Tatsächlich gibt es Umstände, unter denen Menschen (Personen) auf Gluten verzichten sollten. Das sind vor allem Zöliakiepatienten. Bei Personen die an dieser (oft erblich bedingten) Autoimmunerkrankung leiden, entzündet sich die Dünndarmschleimhaut nach dem Genuss glutenhaltiger Lebensmittel chronisch, es kommt zu Durchfall, Übelkeit und chronischer Müdigkeit. Zöliakie ist durch medizinische Tests nachweisbar.

Eine weniger drastische Form der Glutenunverträglichkeit bezeichnet man als „Glutensensitivität“. Diese kann sich ebenfalls in Form von Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, mangelnder Konzentrationsfähigkeit und Migräneanfällen äußern. Tatsächlich konnte die Existenz einer Glutensensitivität jedoch bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Es gibt aktuelle Studien, die darauf hinweisen, dass es möglicherweise nicht das Gluten ist, was die Beschwerden auslöst, sondern natürlich Insektenabwehrstoffe (Amylase-Trypsin-Inhibitoren, kurz ATIs), die ebenfalls in unserem Getreide enthalten sind. ATIs und Gluten treten meist gemeinsam auf, so dass sich die Wirkung bis jetzt schlecht einer von beiden Substanzen zuordnen ließ.

Haben Sie den Verdacht glutensensitiv zu sein, dann bringt Ihnen vielleicht ein Test Klarheit: Schreiben Sie zunächst alle gesundheitlichen Probleme auf, an denen Sie leiden – und zwar unabhängig davon, ob Sie diese einer Glutensensitivität zuordnen oder nicht. Anschließend streichen Sie jegliche glutenhaltigen Lebensmittel für 6-8 Wochen von Ihrem Speiseplan. Dies erfordert zunächst ein wenig Aufwand, da neben Brot, Gebäck, Kuchen und Nudeln auch die meisten Fertiggerichte (u.a. Saucen und Dressings), viele Süßigkeiten und sogar Fleischprodukte Gluten enthalten können. Lesen Sie daher immer aufmerksam die Zutatenliste.

Bleiben während Ihrer Beobachtungsphase Ihre Beschwerden bestehen, leiden Sie vermutlich nicht an einer Glutensensitivität. Verschwinden Ihre Beschwerden oder verbessern Sie sich drastisch, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass eine glutenfreie Ernährung von Ihrem Körper tatsächlich besser vertragen wird.

Glutenverzicht ist keine Diät!
Für die meisten Menschen hat eine glutenfreie Ernährung allerdings keinerlei Nutzen und nur durch den Verzicht auf Gluten nimmt man auch nicht automatisch ab. Im Gegenteil, glutenfreie Backwaren enthalten oft größere Mengen an Zucker und Fett, um das fehlende Klebereiweiß auszugleichen. Sie dienen nur glutenunverträglichen Personen als Ersatz für herkömmliche Backwaren. Insofern kann sich glutenfreie Ernährung zur Gewichtsreduktion leicht als kontraproduktiv erweisen und sogar eine Zunahme begünstigen. Verzichtet man hingegen auch auf die glutenfreien Ersatzprodukte, so folgt man im Prinzip den Vorgaben einer klassischen Low-Carb-Diät, bei der der Großteil der Kohlenhydrate vom Speiseplan gestrichen wird.

Grundsätzlich ist ein Verzicht auf Gluten wirklich nur dann zu empfehlen und auch nur dann sinnvoll, wenn Sie unter einer nachgewiesenen Glutenunverträglichkeit leiden. Für alle anderen ist Gluten nichts Schlechtes, sondern es gibt lediglich unseren Backwaren die richtige Konsistenz.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen: G(l)uten Appetit!!!

Glutenhaltige Getreidesorten:
Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Hafer, Grünkern, Kamut, Einkorn, Emmer
Glutenfreie Alternativen:
Reis, Wildreis, Hirse, Mais, Buchweizen, Teff, Amaranth, Quinoa, Tapioka

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